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Bauchnabelpiercing in Barcelona

Im Sommer 2007 waren meine beste Freundin und ich gemeinsam im Urlaub. Eigentlich hatte sie diese Reise gemeinsam mit ihrem Freund antreten wollen, doch war dieser zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Ex und um den schönen Platz nicht verfallen zu lassen, trat ich an seiner Stelle die Reise an. Barcelona ist nun nicht unbedingt der Ort, den man zu zweit als Single bereisen sollte. Die Stadt ist schön, sie bietet Kultur, doch eigentlich war uns mehr nach Strand und Palmen, so dass uns irgendwann tagsüber langweilig wurde und wir im Cafe sitzend vom 100sten ins 1000ste kamen und irgendwann mal wieder die Männer vor hatten, genauer, unsere Exe.

Auch wenn sie sehr verschieden waren, eine Eigenschaft teilten sie: abgrundtiefes Spießertum und dadurch bedingt eine Abneigung gegen alles, was nicht der Norm entspricht und Tattoos und Piercings im Besonderen. An diesem Nachmittag stellten wir fest, dass die Zeit gekommen war, alte Pläne in die Tat umzusetzen. In Wasser wollten wir sowieso nicht mehr, denn entweder musste man an einen Strand am Ende der Welt fahren oder konnte in den Abwässern der Stadt planschen ... beides hatten wir zu dem Zeitpunkt bereits satt.

Wir schlenderten also los, in der Hoffnung, über ein nettes Studio zu stolpern, in dem man uns unsere Wünsche hätte erfüllen können. Doch gestaltete sich die Suche gar nicht so einfach, waren an diesem Nachmittag nur Touristen, alte Mütterchen und Kinder auf der Straße, die uns allesamt nicht weiterhelfen konnten. Letztendlich fanden wir aber doch noch jemanden, sogar einen Deutschen, der mit frisch eingewickeltem Arm einen Blumenstrauß kaufte. Er empfahl uns ein Studio, bei dem er sich schon etliche andere Tattoos hatte stechen lassen, von denen er uns zwei zeigte. Die überzeugten. Auch Piercings könne man sich dort machen lassen.

Schon wenig später waren wir dort. Meine Freundin wusste bereits genau, was sie als Tattoo haben wollte (den Taufspruch ihrer Tochter eingerahmt von Schnörkeln) und ich überlegte noch, welche Stelle meines Körpers ich nun schmücken wollte. Löcher in den Ohren hatte ich bereits. Die waren nach Ansicht meines Ex gerade noch tragbar und demzufolge bereits gestochen. Eigentlich liebäugelte ich schon ewig mit einem Septum-Piercing, doch hatte ich gerade einen neuen Job ergattert in dem solch ein Ding sicherlich zu Problemen führen könnte. Ebenso der Nasenflügel ... fand und finde ich grundsätzlich auch chic, doch hier bestand dasselbe Problem. Letztendlich fiel die Wahl auf ein Bauchnabelpiercing. Die Stelle finde ich auch sehr nett, doch läuft mittlerweile jeder Hans und Franz damit rum und hat es doch oft einen billigen Touch ... egal, ich bin nicht billig. Mit diesem Wissen und etwas Geld betraten wir den Laden. Tatsächlich war dort gerade Flaute. Offenbar hatten die Leute mitten im Sommer besseres zu tun als sich schmücken zu lassen. Meine Freundin kam auch gleich zur Sache, man verstand Englisch und nachdem eine Schrift, ein Rahmen und die Farbe ausgesucht waren, ging es auch schon kurz darauf los. Insgesamt dauerte die Prozedur fast 2 Stunden und das Ergebnis konnte sich – wohlgemerkt zwei Wochen später – sehen lassen. Dann war ich dran.

Bauchnabel? Ja, dessen war ich mir inzwischen sicher. Schmuck? Ich suchte mir einen Ring aus und war erstaunt, dass nicht erst zum Stecker geraten wurde. Angeblich sei dies egal. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber in meinem Fall ist's auch mit Ring gut abgeheilt. Aber ich greife vorweg.

Also legte ich mich auf eine Pritsche, mein Bauch wurde desinfiziert und ein kleines Pünktchen wurde dort angemalt, wo mal das Schmuckstück sitzen sollte. Ich erinnere mich noch genau dran. Im Raum war's heiß, keine Klimaanlage lief, eben Spanien im Sommer, und ich hatte eiskalte Hände und Füße.

Ich sah mir die Stelle an, meine Freundin ebenfalls – ja, das passte. Die Piercerin klemmte das Häutchen in solch eine „Grillzange" und es verging noch eine Ewigkeit. Die Uhr zeigte genau halb acht und ich wunderte mich, wo all die Zeit geblieben war, gerade war doch noch Mittag ... Dann piekste es und ich konzentrierte mich wie irre auf den Sekundenzeiger der Uhr, um bloß nicht feststellen zu müssen, dass es doch wehtat, ich bin nämlich diesbezüglich eine echte Mimose. Zwei volle Runden machte der Zeiger, dann bekam ich einen Spiegel in die Han gedrückt, um mich besser betrachten zu können. Da war er nun, der Ring. Anschließend bekam ich noch ein dickes Pflaster drauf und ein Fläschchen mit namenlosem Inhalt, das ich zweimal täglich auf die Wunde träufeln sollte und mir wurde erklärt, dass das Pflaster einen Tag drauf bleiben solle. Zumindest verstand ich das ... meine Freundin meinte später, die Piercerin habe von drei Tagen gesprochen. Also entfernte ich es nach zwei Tagen vol lständig.

Tja, Baden war nun für uns gelaufen und wir gingen den Abend früh ins Bett. Das schwindende Adrenalin machte uns müde. Den folgenden Tag liefen wir Stunden durch die Gegend, da das Sitzen für mich etwas unbequem war, den darauffolgenden Tag flogen wir nach Hause. Sowohl ihr Tattoo als auch mein Piercing sind schnell abgeheilt. Nach drei Wochen fühlte es sich schon völlig normal an, allerdings heilt bei mir sowieso alles schnell.

Bereut? Nein, haben wir beide nicht. Auch hat uns die Männerwelt nicht verstoßen. Im Gegenteil, kaum zu Hause, trafen wir beide neue Schätze ... diesmal wirkliche Schätze, denen ein Löchlein hier oder etwas Farbe dort nichts ausmacht.

Details

submitted by: Anonymous
on: 29 Dec. 2009
in Navel Piercing

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Artist: %3F
Studio: Barcelona
Location: Spanien

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