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Lass Dich einfach fallen

Achtung! Die im Folgenden beschriebenen Aktivitäten sind stark risikobehaftet und gelten in Deutschland teilweise als Körperverletzung oder Schlimmeres! Bitte achtet sehr darauf, was ihr tut.

Was lange währt wird schließlich gut. In meinem ersten Bericht Tu ichs oder tu ichs nicht hatte ich ja kurz von Sven erzählt. Jetzt haben wir es endlich geschafft, uns zu einem Playpiercing- Wochenende zu treffen. Wir trafen uns am Freitag Abend. Mit einem gemeinsamen Freund saßen wir in einem Café, haben ein paar Cocktails getrunken und etwas gegessen. Irgendwann verabschiedeten wir uns von dem Bekannten fuhren zu mir ach Hause. Dort ließen wir zuerst die Ruhe des Berliner Stadtrandes auf uns wirken. Später haben wir uns dann überlegt, wie der Samstag ablaufen soll...Einkaufen, Essen, Vorbereitungen, Kamera einrichten usw.

Abends waren wir dann endlich soweit. Jeder von uns hatte sich für für ein „Design" entschieden. Sven wollte sich als erster als "Opfer" zur Verfügung stellen. Ich habe mir also die Hände gewaschen und mit Sterilium desinfiziert, die Handschuhe angezogen und die Nadeln bereitgelegt. Die Entscheidung war auf Nadeln mit einem Durchmesser von 0,8mm (21ga/ grün) gefallen. Nachdem Sven sein T-Shirt ausgezogen und ich seinen Rücken desinfiziert hatte konnte es losgehen. Sven hatte für sich eine geschwungene Reihe von Nadeln, beginnend am Schulterblatt, schräg über die Seite und den Bauch zum Rücken auf der anderen Seite hinunter gewünscht. (Fotos gibt's bei mir auf der Seite: needlefreeq) Eigentlich hatten wir überlegt, das Ganze vorzuzeichnen, was ich in der Aufregung dann doch vergessen habe. Ich bin kein professioneller Piercer, weshalb das Stechen der Nadeln für mich eine sehr anstrengende Angelegenheit war. Schließlich wollte ich nicht, dass irgendetwas schief geht. Eine Nadel habe ich dann aber doch falsch gestochen und musste sie neu setzen. Zum Schluss habe ich die Kanülen kreuzförmig mit Schleifenband umwickelt, so dass das Ganze einer schmalen Schärpe ähnlich sah. Diese "Ziernaht" haben wir eine Weile an Sven dran gelassen und Fotos gemacht. Danach sind wir ins Bad gegangen, um die Nadeln wieder zu entfernen. Dazu habe ich ihm erst einmal Küchenpapier in den Hosenbund gesteckt, damit seine Hose nicht mit Blut verschmiert wird. Wie sich später herausstellen sollte hat das aber nicht ausgereicht. Nun begann die ganze Reinigungsprozedur von vorn: Hände waschen, Handschuhe anziehen, etc. Das Entfernen der meisten Nadeln ist völlig problemlos verlaufen. Sven hat entweder gar nicht oder nur sehr wenig geblutet. Bei einigen Nadeln ist allerdings das Blut nur so gelaufen, so dass das Küchenpapier völlig durchgeweicht war. So hat sich das dann bis zum Schluss fortgesetzt, womit aber weder Sven noch ich ein Problem hatten. Im Gegenteil, es sind sogar noch deftige Kommentare gefallen. Und außerdem: Ein blutverschmierter Rücken ist doch ein genialer Anblick, oder??? Allerdings musste Sven hinterher seine Hose auswaschen.

Aus meiner Sicht muss ich sagen, das es sehr anstrengend war. Das Maß an Konzentration, das man braucht, wenn man jemand anderen pierced hatte ich völlig unterschätzt. Zudem setzt die andere Person sehr großes Vertrauen in einen, das man ja auch nicht enttäuschen möchte!

Dann war ich an der Reihe. Ich hatte mir eigentlich ein „Design" gewünscht, das den Rücken einrahmt, die Schultern und die Seiten einbezieht. Nachdem auch ich das T-Shirt ausgezogen hatte und mein Rücken desinfiziert war, konnte ich mich auf das Bett legen. Dann konnte es losgehen. Sven hat die erste Nadel links von der Wirbelsäule an der oberen Kante des Schulterblattes gesetzt. Die nächste links daneben usw. Auf der anderen Seite war es dann das gleiche Spiel. Es war erstaunlich! Einige der Nadeln habe ich überhaupt nicht gespürt! Das heißt, ich habe nicht einmal bemerkt, dass Sven sie schon gestochen hatte! Natürlich waren die meisten Ein- und Ausstiche deutlich wahrnehmbar, einige stark, andere weniger. Aber alle waren sehr gut zu ertragen. Insgesamt konnte ich mich also völlig entspannt der Prozedur hingeben und fallen lassen. Ich wusste, dass Sven keinen Blödsinn machen würde und dass ich ihm absolut vertrauen kann. Problematisch wurde es erst, als die Seiten an der Reihe waren. Ich bin an manchen Stellen so kitzelig, dass Sven mich kaum anfassen konnte. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass das Stechen von Nadeln dort sehr schmerzhaft werden könnte. Deshalb haben wir uns entschlossen, die bestehende Reihe an den Schultern bis auf die Arme zu erweitern. Da ich eine Steigerung haben wollte haben wir uns für Nadeln der Größe 0,9mm (20ga / Gelb) entschieden. Nach dem Piercen hat Sven die Nadeln in der selben Art mit Schleifenband umwickelt wie ich bei ihm. Als ich vom Bett aufstehen wollte musste ich aber fest stellen, dass die Bewegungsfreiheit meiner Arme stark eingeschränkt war, weil ich mit seitwärts ausgestreckten Armen auf dem Bett lag, als Sven das Schleifenband angebracht hat. Besonders lustig wurde es, als ich mir eine Zigarette drehen wollte. Ich konnte die Hände nur schwer zusammen bekommen. Etwas zu trinken war weniger ein Problem, weil man dazu nur eine Hand braucht. Nach dieser Zigarettenpause und einigen Fotos war es an der Zeit, die Nadeln wieder zu entfernen. Ich habe meine Jeans lieber gleich ausgezogen, damit sie kein Blut abbekommt. Die Vorsicht war auch völlig berechtigt, denn auch ich habe zum Teil stark geblutet. Doch wie schon erwähnt, hatten wir beide aber überhaupt kein Problem damit. Beim Entfernen der Nadeln hatte ich überhaupt keine Schmerzen, obwohl ich schon bemerkt habe, dass etwas passiert. Nachdem die Nadeln raus waren, habe ich mir das restliche Blut abgewaschen und mich wieder angezogen. Damit waren sowohl die Playpiercing- Session als auch der Tag zu ende und wir haben uns, jeder seinen Gedanken nachgehend, hingelegt.

Alles in Allem war dieses Wochenende eines der schönsten Erlebnisse , die ich hatte. Es war angefüllt mit Vertrauen, Geborgenheit und einem starken Gefühl von Sicherheit. Die Bilder von Playpiercings mögen oftmals krass erscheinen, aber ich habe selten etwas friedlicheres erlebt. Am Sonntag habe ich noch ein Pulling und „Gewichtheben" an Haken in meinen Unterarmen gemacht, aber das war eine völlig andere Angelegenheit unter völlig anderen Vorzeichen.

Noch einmal: Was hier beschrieben wurde beinhaltet eine Vielzahl von Risiken von Infektionen, starkem bis gefährlichem Blutverlust, Verletzung von Muskeln und Nerven. Erkundigt euch bitte in der BME- Enzyklopädie und tut nichts, von dem ihr nicht genau wisst, was ihr tut oder worauf ihr euch einlasst.

Details

submitted by: Anonymous
on: 30 Oct. 2005
in Ritual

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